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Männer mit Sex mit Männern und hohem Risiko: In einer HIV-Fachklinik nach PrEP fragen; pünktlich eingenommen senkt sie das Ansteckungsrisiko um mehr als 70 %

  • Mittlerer Nutzen
  • Evidenz A
  • Lebenszeit
  • Kostet viel
  • Einige Stunden
  • Etwas Willenskraft

Kurz gesagt

Wer noch nicht infiziert ist, nimmt vorab ein antivirales Medikament; das nennt sich Präexpositionsprophylaxe (PrEP). Wer es pünktlich nimmt, senkt das Ansteckungsrisiko um mehr als 70 %. Wer es nur gelegentlich nimmt, hat kaum Schutz. Die PrEP ist verschreibungspflichtig: Zuerst wird der Körper untersucht, dann verschrieben, danach regelmäßig kontrolliert.

Kosten

Das ist ein verschreibungspflichtiges Medikament, meist selbst zu bezahlen, zu Preisen von einigen hundert bis einigen tausend Yuan. Vor der Verschreibung braucht es Tests auf HIV, Nierenfunktion und Hepatitis B. Danach wird alle 3 Monate nachkontrolliert. Schwierig ist, jeden Tag pünktlich zu nehmen.

Was es bringt

Das Medikament ist eine Tablette mit Emtricitabin und Tenofovir. In der iPrEx-Studie erhielten 2.499 Männer, die Sex mit Männern haben, und Transfrauen täglich das Medikament oder ein Placebo. In der Medikamentengruppe gab es 44 % weniger Infektionen (95% CI 15 bis 63). Bei Menschen, in deren Blut das Medikament nachweisbar war, war der Schutz deutlich stärker. In der britischen PROUD-Studie mit 544 Männern, die Sex mit Männern haben, hatte die Gruppe, die sofort mit der Einnahme begann, 86 % weniger Infektionen als die Gruppe, die ein Jahr wartete (90% CI 64 bis 96; 90 % Konfidenzbereich). In der französischen IPERGAY-Studie, bei der vor und nach dem Sex bei Bedarf eingenommen wurde, gab es 86 % weniger Infektionen (95% CI 40 bis 98). Eine Metaanalyse der WHO fasste die Studien zusammen: Gesamt-RR 0,49 (0,33 bis 0,73), also etwa 51 % weniger. Bei Studien mit einer Einnahmequote über 70 %: RR 0,30 (0,21 bis 0,45), also etwa 70 % weniger. Bei einer Einnahmequote unter 40 %: RR 0,95, praktisch wirkungslos. Die chinesische Arzneimittelbehörde (国家药监局) ließ das Mittel im August 2020 für die Präexpositionsprophylaxe zu. Erwachsene und Jugendliche mit mindestens 35 kg Körpergewicht dürfen es nehmen.

Hinweise

Die Studien betrafen vor allem Männer, die Sex mit Männern haben; deshalb sollten diese am ehesten nachfragen. Andere Menschen mit hohem Risiko können ebenfalls einen Arzt fragen, ob es für sie passt. Vor der Verschreibung muss sicher sein, dass keine Infektion vorliegt; wer schon infiziert ist, entwickelt durch das Medikament Resistenzen. Ein Selbsttest ist dafür keine Grundlage. Bei Hepatitis B kann das Absetzen einen Leberentzündungsschub auslösen, deshalb wird vorher getestet. Die WHO empfiehlt die Einnahme nach Bedarf nur für Männer, die Sex mit Männern haben, und zwar für Menschen, die im Durchschnitt weniger als 2 Mal pro Woche Sex haben. Die Einnahme: 2 Tabletten 2 bis 24 Stunden vor dem Sex, dann je 1 Tablette nach 24 und nach 48 Stunden. Frauen und Menschen mit Hepatitis B sollten täglich einnehmen. In den Studien mit Einnahme nach Bedarf traten in der Medikamentengruppe mehr Magen-Darm- und Nierenbeschwerden auf als in der Placebogruppe, deshalb darf man die Kontrollen nicht auslassen. In China gibt es seit 2019 Pilotprojekte in der Gruppe der Männer, die Sex mit Männern haben; der Plan von 2024 spricht von einer «standardisierten Umsetzung». Eine landesweit kostenlose Regelung wurde nicht gefunden. Verschrieben wird das Mittel in einer HIV-Fachklinik (艾滋病定点医院) oder in der Infektions- oder Geschlechtskrankheitenabteilung; fragen Sie vorher beim lokalen Seuchenschutzzentrum, welche Klinik das anbietet. Gegen Syphilis, Gonorrhö und andere Geschlechtskrankheiten schützt es nicht; Kondome bleiben nötig, siehe §1.30 (beim Sex von Anfang bis Ende Kondome benutzen). Nach einem bereits erfolgten Risikokontakt siehe §13.38 (innerhalb von 72 Stunden Blockade-Medikamente nehmen). Der Nutzen liegt vor allem bei Ihnen; auch Ihr Partner ist geschützt.

Evidenzgrad
A : Konkrete Zahlen aus Metaanalysen, großen Kohorten oder randomisierten Studien; bei Recht und Politik der Gesetzes- oder Originaltext.
Quellen
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  2. McCormack S, Dunn DT, Desai M, et al. (2016). Pre-exposure prophylaxis to prevent the acquisition of HIV-1 infection (PROUD): effectiveness results from the pilot phase of a pragmatic open-label randomised trial. The Lancet, 387(10013), 53–60. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(15)00056-2
  3. Molina JM, Capitant C, Spire B, et al. (2015). On-demand preexposure prophylaxis in men at high risk for HIV-1 infection. New England Journal of Medicine, 373(23), 2237–2246. https://doi.org/10.1056/NEJMoa1506273
  4. Fonner VA, Dalglish SL, Kennedy CE, et al. (2016). Effectiveness and safety of oral HIV preexposure prophylaxis for all populations. AIDS, 30(12), 1973–1983. https://doi.org/10.1097/QAD.0000000000001145
  5. Xu JJ, Huang XJ, Liu XC, et al. (2020). Consensus statement on human immunodeficiency virus pre-exposure prophylaxis in China. Chinese Medical Journal, 133(23), 2840–2846. https://doi.org/10.1097/CM9.0000000000001181(中文版《中国 HIV 暴露前预防用药专家共识》)
  6. World Health Organization (2019). What's the 2+1+1? Event-driven oral pre-exposure prophylaxis to prevent HIV for men who have sex with men (WHO/CDS/HIV/19.8). https://www.who.int/publications/i/item/what-s-the-2-1-1-event-driven-oral-pre-exposure-prophylaxis-to-prevent-hiv-for-men-who-have-sex-with-men
  7. 国务院办公厅 (2024). 中国遏制与防治艾滋病规划(2024—2030 年). https://www.gov.cn/zhengce/zhengceku/202412/content_6992033.htm

Aus dem chinesischen Original übersetzt. Originalbuch, Abschnitt 1, Tipp 38. Dieser Abschnitt behandelt Gesundheit und Medikamente. Das sind allgemeine Informationen, kein Ersatz für ärztliche Diagnose oder Verschreibung. Inhalte können veraltet sein, und Regeln unterscheiden sich je nach Ort. Wenn Sie tatsächlich zu einer Behörde, zum Arzt oder vor Gericht gehen, gilt, was Behörde, Ärztin oder Anwalt sagen. Haftungsausschluss