Nicht glauben, «Masturbation schadet» oder «Enthaltsamkeit macht einen besser»; entscheidend ist, ob Schlaf, Arbeit und Beziehungen leiden
- Mittlerer Nutzen
- Evidenz B
- Lebenszeit
- Umstritten
- Kostenlos
- Ein paar Minuten
- Ohne Willenskraft
Kurz gesagt
Es gibt keine Studie, die Masturbation als schädlich belegt. Männer mit häufigen Ejakulationen hatten etwa 19 bis 22 % weniger Prostatakrebs; bei einer Studie waren die Fälle bei häufiger Masturbation in jungen Jahren dagegen etwas höher. Einige wenige Menschen fühlen sich nach jedem Samenerguss schlapp und wie erkältet, für einige Tage; das ist eine seltene Erkrankung, mit der man zum Urologen oder Andrologen gehen kann. Das Gefühl, «von Pornos süchtig» zu sein, rührt meist daher, dass das Verhalten mit den eigenen moralischen Überzeugungen kollidiert.
- Kosten
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Kostet nichts. Man spart das Geld für «nierenstärkende» Hausmittel und «Enthaltsamkeitskurse» sowie die lang anhaltende Angst vor Selbstvorwürfen.
- Was es bringt
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Zuerst der Körper. Eine US-Studie verfolgte 31.925 Männer bis 2010. Jeder gab an, wie oft er pro Monat ejakulierte; danach wurde gruppiert. Verglichen mit Männern, die 4 bis 7 Mal im Monat ejakulierten, hatten Männer mit mehr als 21 Mal im Monat ein Prostatakarzinom-HR von 0,81 (95%-KI 0,72 bis 0,92; das heißt etwa 19 % weniger), gerechnet mit der Häufigkeit im Alter von 20 bis 29 Jahren. Gerechnet mit der Häufigkeit im Alter von 40 bis 49 Jahren: HR 0,78 (0,69 bis 0,89; etwa 22 % weniger). Vor allem wurde Prostatakrebs mit geringem Risiko seltener. Gegenposition: Eine britische Fall-Kontroll-Studie verglich 431 Männer, die vor dem 60. Lebensjahr erkrankt waren, mit 409 Kontrollpersonen. Wer in den Zwanzigern oder Dreißigern häufig masturbierte, hatte ein höheres Risiko; wer das in den Fünfzigern tat, ein niedrigeres. Dann zu Pornografie: Eine systematische Übersicht mit Metaanalyse hält fest, dass viele Menschen sich «süchtig» fühlen, dies aber eher daran liegt, dass ihr Verhalten nicht zu ihren Überzeugungen passt, und nicht nur am Umfang des Konsums. Einige wenige fühlen sich nach jedem Samenerguss tatsächlich unwohl; das ist aber keine «Schädigung», sondern eine seltene Erkrankung namens postorgasmisches Krankheitssyndrom (POIS). Dafür sollte man zum Arzt gehen, nicht Enthaltsamkeit versuchen. Bei 45 niederländischen Patienten begann es bei 87 % innerhalb von 30 Minuten nach dem Samenerguss; 80 % fühlten sich erschöpft, 78 % wie erkältet. Bei 37 Patienten einer französischen Klinik dauerte es im Schnitt 4,7 Tage bis zur Besserung. Die Ursache ist ungeklärt. In der niederländischen Studie hatten 29 von 33 Hauttest-Personen (88 %) eine Allergie gegen das eigene Sperma. In einer chinesischen Studie mit 24 Patienten ließen sich keine Antikörper gegen Sperma nachweisen; die Angst- und Depressionswerte der Patienten waren erhöht. Eine Übersicht von 2025 fand nur 14 Behandlungsstudien, davon 12 Einzelfälle. Von 211 Fachleuten für Sexualmedizin weltweit (USA / UK / Niederlande / Frankreich / China) sagten nur 18 %, dass über ein Drittel der Patienten sich verbessert.
- Hinweise
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Streit: Bei den beiden Prostatakrebs-Studien gibt es keine Vergleichsgruppen mit Zuteilung, und die Häufigkeiten sind Erinnerungsangaben. Man kann daher nur sagen: Es gibt keinen Beleg für Schaden, nicht umgekehrt. Der Autor der britischen Studie selbst sagt, der Rückgang in den Fünfzigern könne daher rühren, dass Männer schon krank waren und deshalb seltener masturbierten. Die Pornografie-Übersicht gibt im Abstract keine Effektgröße an; deshalb steht hier nur die Richtung. Der Nutzen wird als gering eingestuft, weil vor allem Prostatakrebs mit geringem Risiko betroffen ist und nicht die Sterblichkeit. Bei den Studien zu den Beschwerden nach dem Samenerguss gab es nur einige Dutzend Patienten; die Literatur sagt, die Erkrankung sei selten, aber niemand hat in der Allgemeinbevölkerung gezählt. Wer fast nach jedem Samenerguss erschöpft ist, wie erkältet, und das tagelang, sollte zum Urologen oder Andrologen gehen und diese Erkrankung ausdrücklich ansprechen. Ein Signal, bei dem man zu einem Psychiater oder klinischen Psychologen gehen sollte: Wenn man deswegen nachts wach liegt, Arbeit verliert oder die Partnerschaft leidet und man nicht aufhören kann. Zu nächtlichem Aufbleiben siehe §3.9 (nachts nicht wegen Spielen, Kurzvideos oder pornografischer Inhalte aufbleiben). Wer befürchtet, übermäßiger Pornokonsum habe Erektionsprobleme ausgelöst, sollte zuerst nach §1.28 (bei Erektionsproblemen zuerst Herz-Kreislauf-Ursachen abklären) untersuchen lassen. Die rechtlichen Folgen von Verbreitung und Verkauf siehe §9.4 (Pornovideos nur für sich selbst). Der Nutzen geht an Sie selbst.
- Evidenzgrad
- B : Durch Forschung gestützt, aber ohne genaue Zahl, oder nur kleine bzw. einzelne Studien.
- Quellen
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- Rider JR, Wilson KM, Sinnott JA, et al. (2016). Ejaculation Frequency and Risk of Prostate Cancer: Updated Results with an Additional Decade of Follow-up. European Urology, 70(6), 974–982. https://doi.org/10.1016/j.eururo.2016.03.027
- Dimitropoulou P, Lophatananon A, Easton D, et al. (2009). Sexual activity and prostate cancer risk in men diagnosed at a younger age. BJU International, 103(2), 178–185. https://doi.org/10.1111/j.1464-410x.2008.08030.x
- Grubbs JB, Perry SL, Wilt JA, Reid RC. (2019). Pornography Problems Due to Moral Incongruence: An Integrative Model with a Systematic Review and Meta-Analysis. Archives of Sexual Behavior, 48(2), 397–415. https://doi.org/10.1007/s10508-018-1248-x
- Waldinger MD, Meinardi MM, Zwinderman AH, Schweitzer DH. (2011). Postorgasmic Illness Syndrome (POIS) in 45 Dutch caucasian males: clinical characteristics and evidence for an immunogenic pathogenesis (Part 1). The Journal of Sexual Medicine, 8(4), 1164–1170. https://doi.org/10.1111/j.1743-6109.2010.02166.x
- Chea M, Teng M, Chesnel C, et al. (2023). Postorgasmic illness syndrome: one or several entities? A retrospective cohort study. The Journal of Sexual Medicine, 20(12), 1407–1413. https://doi.org/10.1093/jsxmed/qdad139
- Xi GP, Yang RX, Zhang J, et al. (2023). Clinical characteristics, allergic response to autologous semen, and desensitization in patients with postorgasmic illness syndrome. Sexual Medicine, 11(6), qfad068. https://doi.org/10.1093/sexmed/qfad068
- Ponce S, Chapalamadugu M, Levine S, et al. (2025). Treatments for postorgasmic illness syndrome: a systematic review. The Journal of Sexual Medicine, 22(7), 1236–1243. https://doi.org/10.1093/jsxmed/qdaf112
- Duran MB, Rubin RS, Reisman Y, Serefoglu EC, et al. (2025). Recognition and practice patterns of sexual medicine experts towards postorgasmic illness syndrome. International Journal of Impotence Research, 37(6), 454–457. https://doi.org/10.1038/s41443-023-00753-x
Aus dem chinesischen Original übersetzt. Originalbuch, Abschnitt 6, Tipp 27. Inhalte können veraltet sein, und Regeln unterscheiden sich je nach Ort. Wenn Sie tatsächlich zu einer Behörde, zum Arzt oder vor Gericht gehen, gilt, was Behörde, Ärztin oder Anwalt sagen. Haftungsausschluss